Unsere Kirche St. Peter und Paul
Fortsetzung des Artikel unter Poppenreuth
Nach der Jahrtausendwende lebte und wirkte Sebald in dem später nach ihm benannten "Sebalder Reichswald" als Einsiedler und Priester. Als er um 1050 starb, begrub man ihn in der Poppenreuther Kirche. Noch vor 1070 wurden seine Gebeine in die von hier aus gegründete Peterskapelle am Fuß der Nürnberger Kaiserburg überführt. Diese entwickelte sich im Laufe von Jahrhunderten über dem Grab des Heiligen zur heutigen Sebalduskirche im Zentrum Nürnbergs.
Drei päpstlichen Bullen (Urban IV. 1386 und Bonifazius IX. 1390 und 1402) sollten im Mittelalter Unstimmigkeiten zwischen Mutter- und Tochterkirche lösen, weil diese sich den Pfarrer teilen mussten. Dieser Zustand wurde mit Pfarrer Dr. Georg Peßler (1528) erst im Reformationszeitalter beendet. - Eine durchgehende Pfarrersliste von 1192 bis in die Gegenwart hängt an der Kirchenrückwand unter der Orgelempore. Auf drei Tafeln werden sämtliche Poppenreuther Pfarrer aufgeführt.
Zeichnung unserer Kirche In der Mitte des Dorfes steht die Kirche im mauerumzogenen Kirchhof. Seine einstige Befestigung mit Torbau, Wehrmauer und Ecktürmen wurde nach 1850 bis auf die heutigen Reste abgetragen. Neben dem Turm weisen besonders in der Kirchensüdwand große Schießscharten (leider unter Putz liegend) auf eine alte Wehranlage hin. Gegenüber der anderen Straßenseite liegt der ebenfalls teilweise ummauerte Pfarrhof. Hinter dem Pfarrhaus erinnern Fachwerkscheune und Nebengebäude daran, dass in Poppenreuth der Pfarrer früher Bauer war. Die Fachwerkscheune wurde 1986 zum Gemeindehaus umgebaut. Das Nebengebäude war viele Jahre Mesnerswohnung und ist heute Jugendhaus.
Das Äußere der Kirche lässt deutlich drei Baukörper erkennen: westlichen Turm, anschließendes Kichenschiff, östlichen Chor. Bis auf die Längsseiten des Kirchenschiffs, die aus verputzten Brockenmauern bestehen, ist der Bau aus Sandsteinquadern errichtet. Die letzte Außenrenovierung erfolgte 1976/78. Der Innenraum überrascht durch seine intensive Farbigkeit in Rot und Ocker. Sie geht auf die Innenrenovierung aus dem 19. Jahrhundert zurück. Der Turm bewahrt ältestes Mauerwerk. An der Südseite hat er unten noch ein romanisches Rundbogenfenster. Das Untergeschoß war ursprünglich mit Balkenlagen abgedeckt. Der romanische Zackenfries darunter ist noch vollständig erhalten, ebenso als späteres Versatzstück etwas weiter oben im Turm ein Ornament-Stein mit romanischem Knotenkreis-Flechtwerk. Dies wird um 1150 datiert. Die Mauerstärke von 1,60 m und der Turmeinstieg hoch im Schiff (rechts oberhalb der Orgel) erinnern an den einstigen Wehrbau. der Altar
1456 wurde der Turm gotisch umgebaut und erhöht, um 1520 noch einmal um das heutige Glockengeschoß aufgestockt und mit einem steilen Ziegelhelm versehen. Bis zur Spitze mit Kreuz und Hahn misst er 55 m. In seiner Glockenstube hängt ein vierstimmiges Geläute mit der Schlagtonreihe f' - as' - b' - des". Die große Glocke stammt von 1564, die drei kleineren mussten 1957 frühere ersetzen.
Zeichnung des Altar Das Schiff ist mehrmals verändert worden, zuletzt 1859/60 im neugotischen Stil. Aus dieser Zeit sind Flachdecke und Emporen, Orgelprospekt und Kirchengestühl, Taufstein und Kanzel. - Die Achse betonen zwei barocke Messingleuchter, gestiftet 1666 und 1738. - Das neue Orgelwerk im alten Gehäuse baute 1984 Ekkehard Simon aus Landshut mit 27 Register auf 3 Manuale. Im Kirchenschiff und den Emporen sind etwa 500 Sitzplätze
Am Taufstein, der leider nicht mehr in der Mitte des Chorraumes steht, hängen über Eck die Bronze-Epitaphien für zwei Pfarrer: Mag. Justus Rößner (in Poppenreuth 1628-1633, Nachguss vom Johannisfriedhof) und D.Gustav Georg Zeltner (in Poppenreuth 1730-1738). - Neben der Kanzel hält ein fast lebensgroßes Pastellbild von 1883 das Gedächtnis an Martin Luther (1483-1546) wach.
Der Chor mit seinem gotischen Sterngewölbe wurde 1522 vollendet (Baudatum am Scheitel des Chorbogens innen). Er hat als Anbauten nördlich die große Sakristei mit neugotischer Einrichtung und südlich die kleine Ölberg-Kapelle mit dem Rest einer Gethsemane-Gruppe. In den Chorfenstern von 1881/82 sind Bilder aus dem Leben Jesu dargestellt. Nach dem 2. Weltkrieg wurde anstelle der zerstörten "Weihnachtsszene" im unteren linken Fenster im Chorraum, "Pfingsten" vom kleinsten südlichen Chorfenster eingesetzt. Seitdem findet die Geistausgießung unter dem Stern von Bethlehem statt. Aus der gleichen Zeit stammen auch die Löcher. Eine Renovierung steht noch bevor. Sternengewölbe
Der gotische Flügelaltar aus den Jahren um 1518, ist die größte Kostbarkeit der Kirche. Die "Festtagsseite" zeigt von links nach rechts St. Petrus mit Buch und Schlüssel, im Retabel die Evangelisten Markus mit Buch - Johannes mit Kelch (ursprünglich ein hl. Sebastian) - Matthäus mit Buch, rechts St. Sebald mit Muschel und Pilgerstab
Grundriss In der Passions- und Adventszeit werden die Flügel geschlossen. Dann zeigt die "Werktagsseite" auf den alten Innenflügeln links St. Laurentius mit dem Rost und rechts St. Stephanus mit den Steinen (Dürerschüler Hans Springinklee). Dazu kommen auf den neuen Standflügeln links St. Martin mit dem Bettler und rechts St. Michael mit der Waage (Konrad Ehmann). Im neugotischen Gesprenge ist eine gotische Kreuzigungsgruppe mit Maria und Johannes bei dem gekreuzigten Jesus.
Die Predella enthält seit 1996 eine Plastik des Bildhauers Heinz Heiber, der den Satz aus dem Glaubensbekenntnis wiedergibt: "... auferstanden von den Toten". An den Wundmalen wird der ansonsten rotgefasste Christus deutlich. Kopf und Hände, die schon im Auferstehensprozess stehen, sind mit "Gold", der Farbe des Sieges ausgestattet. Das ursprüngliche Thema der Predella, die häufig ein Aufbewahrungsort für Reliquienschreine ist, wird mit einer Ausrichtung auf Zukunft hin verändert.
An der Nordseite des Chores sind Renaissance-Fresken von 1583 erhalten. Sechs von früher dreizehn Aposteln, darunter auch Petrus und Paulus. Ebenfalls an der Nordseite befindet sich der Renaissance-Giebel eines ehemaligen Sakraments-Häuschens. Am nördlichen Chorbogen ist ein Fresko mit Ranken und Blumen, datiert von 1636. - In den Chorschrägen unter den Fenstern ist links ein Fresko mit dem Martyrium des hl. Sebastian und rechts die Konsole aus St. Sebald in Nürnberg.
An der Südseite des Chores hängt die Kopie einer Szene des Sebaldusteppichs (Original im Germanischen Nationalmuseum, Nürnberg) Poppenreuth betreffend mit der ältesten bildlicher Darstellung der Poppenreuther Kirche von 1420. Ebenso ist dort ein barockes Vortragekreuz um 1700 und drei 1984 erneuerte Totenschilde für Angehörige der Nürnberger Patrizierfamilie Loeffelholz von Colberg auf Steinach, sowie für den Poppenreuther Pfarrer und Sebalder Propst Dr. Georg Peßler.